blume2004 - ein Projekt von Andrea Knobloch
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 Ein Projekt von Andrea Knobloch in der Reihe Stadtbild.Intervention Pulheim 2004
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blume2004 - aktion
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blume2004 - ein Projekt von Andrea Knobloch " ... wie man sich genußvoll bewegt, in körperlicher oder geistiger Hinsicht."
Bertolt Brecht, Kleines Organon für das Theater.

Stadtbild.Intervention. Projekte für Pulheim

1998 hat die Stadt Pulheim ein neues Kunstprojekt ins Leben gerufen, die Reihe "Stadtbild.Intervention. Projekte für Pulheim". Einmal im Jahr fordert die Kulturabteilung einen Künstler oder eine Künstlerin auf, eine Arbeit im öffentlichem Raum zu entwickeln, in das Stadtbild einzugreifen.

Das heutige Pulheim ist 1975 durch die kommunale Neugliederung aus vier vorher selbständigen Gemeinden - Brauweiler, Stommeln, Pulheim und Sinnersdorf - entstanden und erhielt 1981 die Stadtrechte. Bis auf den heutigen Tag konnte sich keine neue gesamtstädtische Identität entwickeln, die Ortsteile betonen nach wie vor ihre Eigenständigkeit. Überdies präsentiert sich Pulheim durch das rasche Wachstum in Großstadtrandlage als architektonisches Konglomerat, in dem Alt und Neu oft unvermittelt nebeneinander stehen und keine rechte Verbindung eingehen können. Der öffentliche Raum präsentiert sich als Problemfall: Beispielsweise haben die historischen Dorfplätze während der rasanten Stadtentwicklung durch umstrittene Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen oder durch die Anpassung an die Verkehrsplanung ihre soziale Funktion und ihre ästhetische Homogenität verloren. Häufig sind sie zu öden Leerflächen degradiert; tiefgreifende Umgestaltungen sind jedoch nicht möglich, da sich gerade an ihnen die Interessenkonflikte entzünden - zwischen den Alteingesessenen und den zugezogenen Großstädtern, zwischen Tradition und Moderne. Der Umbruch vom Dorf zur Mittelstadt hat begonnen, der Entwicklung fehlt jedoch in vielen Bereichen eine eindeutige Richtung.

In dieser Situation versteht sich die Reihe der künstlerischen Interventionen nicht nur als Alternative zur gängigen Praxis von Skulptur im öffentlichen Raum, sondern als Konzept, das den öffentlichen Raum über Jahre hinweg diskutiert und immer wieder neu definiert.

Als temporäre Installationen thematisieren die Kunstprojekte ungeklärte Situationen in der Stadtentwicklung: Zwischen historisch gewachsenen Strukturen und stadtplanerischen Neuerungen ist jeder künstlerische Eingriff Kommentar zu einer vorgegebenen Situation und löst Irritation aus. Selbstverständliches wird in Frage gestellt, oft Übersehenes und Unscheinbares gerät in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Als Gratwanderung zwischen Auskennen und Entdecken laden die Projekte zu Raumwahrnehmung und Ortsbestimmung ein und sensibilisieren die Öffentlichkeit für den sie umgebenden Umraum mit seinen ästhetischen und sozialen Strukturen.

1998 schufen Maik und Dirk Löbbert mit ihrer Installation "Streulicht" eine neue städtebauliche Perspektive. Wo bisher die städtische Bebauung zwischen einer Sackgasse und einer Mehrzweckhalle durch eine verbliebene Schrebergartensituation einfach abbrach, konzentrierte "Streulicht" alle Aufmerksamkeit auf einen Fluchtpunkt. Die Lichtinstallation an der Brandmauer der Mehrzweckhalle bildete eine optische Verlängerung der abbrechenden Bebauung und machte aus der bloßen Parkplatzsituation des darunterliegenden Einkaufszentrums einen veritablen Platz. Der nunmehr hell erleuchtete Parkplatz verlieh der unfertigen Situation urbanen Charakter.

Christian Hasucha initiierte mit seinem Austausch zweier Platzfragmente die Diskussion um die Verfügbarkeit des öffentlichen Raumes. Im Oktober 1999 tauschte er eine 25 qm große Fläche an der Pulheimer Realschule gegen eine gleich große Fläche vor der fünf Kilometer entfernten Abtei im Ortsteil Brauweiler aus. Straßenbeläge, Poller, Fahrradständer, Abfallkorb und ein Stück Jägerzaun wechselten den Standort: Die Edel-Requisiten der Abtei fanden sich auf einem städtischen Parkplatz wieder; die heruntergekommene Parkplatzmöblierung des Schulgeländes präsentierte sich vor der repräsentativen Abtei.

Sigrid Lange fungierte den ungastlichen Zweckbau eines städtischen Parkhauses um zu einem "Licht- und Luftbad". Inmitten des umgebenden Straßen- und Bahnverkehrs installierte sie im Jahr 2000 eine Liegewiese mit künstlichem Rasen, Sonnenschirmen und Liegestühlen, die die Passanten einlud zu verweilen, sonnenzubaden, aus der Hektik des mobilen Alltags auszusteigen. Hier wurde die Bevölkerung über Medien und Anschreiben aufgefordert, sich diesen Platz durch eigene (Gruppen-)Aktivitäten anzueignen.

2001 diskutierte Lutz Fritsch mit seiner Arbeit "Stadtteile" die Frage städtischer Identität anhand des Verhältnisses von Ortsteilen und Zentrum und spürte dem Gemeinsamen im Verschiedenen nach. In jedem der vier Stadtteile markierte er einen unspektakulären Ort, der auf typische soziale Strukturen verweist und neben den neuen Entwicklungen und Verkehrsplanungen fortbesteht. Die vier identischen Edelstahlrohre postulierten gleichzeitig ein (neues) Gemeinsames - Zusammengehörigkeit.

Leni Hoffmann gab 2002 dem unscheinbaren Ortsteil Sinnersdorf eine tatsächliche Attraktion: Ihre leuchtendfarbige Installation "bondi" – ein Wandbild aus Plastilin mit Wippsitz auf der gegenüberliegenden Straßenseite - präsentiert sich einerseits als Museumssituation im Freien und diskutiert dabei den traditionellen Bildbegriff, das Verhältnis von Plastizität und Zweidimensionalität, Original und Reproduktion. Gleichzeitig war "bondi" ein echter Platz, eine Aufweitung an einer Durchfahrtsstraße, die zum Treffpunkt für die Sinnersdorfer wurde und zu bestimmten Zeiten zu einem regelrechten(Kinder-) Spielplatz.

Für sein Kunstprojekt "Im Auftrag" ließ sich Hans Winkler 2003 für die Dauer einer Woche regulär im städtischen Bauhof einstellen, um sich innerhalb jener Strukturen zu bewegen, die das Stadtbild prägen. Damit lenkte er die Aufmerksamkeit auf das Phänomen Stadtbild als solches, das weit mehr durch alltägliche Eingriffe der Verwaltung - Poller, Abweiser, Straßenmarkierungen - geprägt ist als durch jeden künstlerischen Eingriff. Mit der Weigerung, ein eigentlich künstlerisches (Auftrags-)Werk auszuführen, gab Winkler die Verantwortung für den städtischen Raum an die öffentliche Hand und die Bürger/innen zurück.

Angelika Schallenberg
Kulturabteilung der Stadt Pulheim

Links:

Stadtbild.Intervention Hans Winkler

Stadtbild.Intervention Leni Hoffmann

Stadtbild.Intervention Lutz Fritsch

Stadtbild.Intervention Sigrid Lange

Stadtbild.Intervention Christian Hasucha

Stadtbild.Intervention Maik und Dirk Löbbert

 

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